Oldschool mit Stil: Samiam-Konzert in Wiesbaden

Oldschool mit Stil: Samiam-Konzert in Wiesbaden

Von wegen Punk-Opas: Nach fast 30 Jahren Bandgeschichte haben Samiam am vergangenen Dienstag den Schlachthof Wiesbaden gerockt. Warum sich die ein oder andere Band von der Emopunk-Legende etwas abschneiden kann und was das mit dem wohl glücklichsten Schlagzeuger der Welt zu tun hat…

Laut, punkig und trotzdem emotional: Die US-amerikanische Emopunk-Band Samiam ist wieder auf Tour – und hat am 01. August 2017 Halt in der Wiesbadener Kult-Location Schlachthof gemacht. Dass die Band hierzulande nicht (mehr?) so bekannt ist, wurde schnell deutlich: Eine gemütliche Runde von rund 200 Fans fand sich im “Kesselhaus” zusammen – teilweise sogar aus dem Ausland angereist. Umso intimer wirkte das Konzert: Die Band, in der kleinen Location zum Greifen nahe, witzelte unter anderem über die Furz-Qualitäten von Gitarrist Sergie Loobkoff. “Er hat gestern Abend so gefurzt”, erzählte Sänger Jason Beebout, “dass ich schon dachte, die Zeitungen schreiben heute von einer Explosion.” Kurze Pause. “Tja, aber dann haben sie über den Sturm letzte Nacht berichtet. Das hat mich etwas verwirrt”, ergänzte er lachend. Auch dass direkt nach dem ersten Song eine Gitarrensaite gerissen war, nahm die Band mit Humor.

 

Pure Emotion im Schlachthof Wiesbaden: Samiam. | © NayaCliché

 

“Got our lederhosen packed and ready to set out on our European vacation!”

verkündeten Samiam noch am 19. Juli 2017 auf ihrer Facebookseite

 

Echter Emopunk ohne Abstriche

Wer Samiam kennt, der weiß: Dieser Sound ist einmalig. Umso überraschender ist es, dass die Band live sogar noch besser rüberkommt als auf den Records. Ein absolutes Must-see für alle, die noch nie auf einem Samiam-Konzert waren. Wer da an Punk-Opas denkt, wird beim Liveauftritt bitter enttäuscht: Auch nach fast 30 Jahren im Business rocken die fünf Jungs aus Kalifornien wie am ersten Tag.

 

Jason Beebout gibt alles. | © NayaCliché

 

Zwar war das Konzert im Schlachthof relativ klein – dennoch tat das der Stimmung keinen Abbruch: Die Fans, im Schnitt zwischen 25 und 40 Jahren alt, waren textsicher, tanzfreudig und einfach verdammt nah dran an ihrer Band. Gerade dadurch wirken Samiam, insbesondere im Vergleich mit Bands wie Bad Religion, noch authentischer. Auf dem Boden geblieben. Nahbar. Und sie berühren ihre Fans noch heute mit ihrer Musik und ihren Texten.

 

Gute Laune trotz Emo-Texten

“They see what they want in you

They get what they need from you

They take advantage of you

They would be nothing without you”

Der wahrscheinlich glücklichste Schlagzeuger der Welt. | © NayaCliché

Die nachdenklichen, melancholischen Texte von Samiam haben seinerzeit eine neue Musikrichtung auf den Weg gebracht: den Emocore beziehungsweise Emopunk. Von Traurigkeit oder Schwermut war bei dem Konzert jedoch zwischen den Songs nichts zu spüren. Besonders Schlagzeuger Colin Brooks zeigte: Er ist der wahrscheinlich glücklichste Drummer der Welt! Die halbe Show über grinste und lachte er, als gäbe es für ihn nichts Schöneres als diesen Moment. Und auch Jason Beebout brachte das Publikum zwischendurch immer wieder zum Lachen – etwa als er einen der zwei Gitarristen im Spaß beschimpfte, weil er einen Song von der Setlist übersprungen hatte. Als dieser versuchte, sich zu rechtfertigen, unterbrach Beebout ihn unmittelbar: “Darum bekommt er normalerweise kein Mikrofon!”

Zwischen traurigen Texten und lustigen Anekdoten wurde auf dem Konzert aber eines klar: Samiam haben einen einmaligen Sound, der sich auf inzwischen acht Studioalben wiederfindet. Aber live spielt die Band um Jason Beebout und Sergie Loobkoff in einer ganz anderen Liga – und das, obwohl sie inzwischen schon fast zu den “Oldies” gehören.

 

 

 

Samiam Setlist vom 01.08.2017 | © NayaCliché


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