Jupiter Jones – zwischen Indie und Mainstream (Interview)

Jupiter Jones – zwischen Indie und Mainstream (Interview)

Ihr Song „Still“ läuft im Radio rauf und runter, aber nicht jeder ihrer Fans ist begeistert – Jupiter Jones ist eine Band, die sich nicht in Schubladen stecken lässt. Die Jungs aus der Eifel sind stolz auf das, was sie sind und trotzdem auf dem Boden geblieben. Das zeigten sie auch am Freitag auf dem Folklore Festival in Wiesbaden. Im Vorfeld habe ich mich mit Schlagzeuger Marco Hontheim unterhalten und ihn als sehr sympathischen, bodenständigen Menschen kennen gelernt.

Ein Interview über die Arbeit bei einem Major-Label, das aktuelle Album und das Nebenprojekt ihres Sängers…

Jupiter Jones Schlagzeuger – Marco Hontheim
© NayaCliché


Ihr geltet als Band, bei der die Grenzen zwischen Indie und Mainstream, zwischen Rock, Pop und Singer/Songwriter verschwimmen. Wie würdest du euch und euren Stil selbst beschreiben? 

Das ist relativ schwierig. Wir tun uns da selbst bisschen schwer uns zu definieren. Wir sind sicherlich keine Spartenband. Also wenn wir gefragt werden, sagen wir ganz gerne Gitarrenmusik mit deutschen Texten, weil damit im Grunde genommen alles gesagt ist. Das umfasst eigentlich alle Stile, die wir spielen: Pop, Rock, Punk. Ich denke Gitarrenmusik mit deutschen Texten trifft es ganz gut. 

 

Ihr habt euch 2002 gegründet, feiert jetzt also zehnjähriges Bandbestehen. Wie habt ihr euch kennen gelernt und gab es in den zehn Jahren irgendwann mal größere Differenzen zwischen euch? 

Sascha und Nicholas sind ja quasi die Bandgründer. Die haben sich auf so einer klassischen Eifel-Gartenlauben-Party kennen gelernt und saßen irgendwann nachts vorm Kassettenrekorder – tatsächlich damals noch Kassettenrekorder – und haben alte Ärzte-Kassetten gehört. Beide haben dann irgendwie Bock gehabt deutschsprachige Musik zu machen. Ich hab mit Sascha vorher, ich glaube 15 Jahre in einer Metalband gespielt, und dann kam halt irgendwann der Anruf: Hey, haste nicht Bock irgendwie…? Wir haben da so ein neues Projekt am Start. So kam es dann, so haben wir uns halt gefunden. 

Und Differenzen gibt’s glaube ich überall. Das ist sowas wie eine Familie, also eine ganz enge Beziehung unter Freunden und klar gibt’s da auch Differenzen. Aber ich glaube, wenn man sich gegenseitig respektiert und achtet, dann schafft man auch mit allen Differenzen vernünftig umzugehen. Man lernt halt auch in den zehn Jahren, wenn man den ganzen Tag aufeinander hängt, sich aus dem Weg zu gehen. Ich glaube das ist auch ganz wichtig, wenn man ein Gespür dafür entwickelt, dass der Bandkollege jetzt auch mal Ruhe braucht – und dann lässt man den auch in Ruhe. Dann funktioniert das wunderbar. 

 

Ihr veranstaltet jedes Jahr ein Sommer- und ein Jahresabschlusskonzert, um Newcomer-Bands die Möglichkeit zu geben mal vor einem größeren Publikum zu spielen. Ist das noch aktuell? Und wie kam es überhaupt dazu? 

Das ist noch aktuell, nur dieses Jahr hat es leider kein Jupitair gegeben, weil wir ja dieses Jahr unser Zehnjähriges haben. Also das Jupitair findet immer in Trier statt, ist halt ein Open Air. Dieses Jahr sollte es ausfallen, weil wir unser Zehnjähriges in der Trier Arena feiern wollten – was wir jetzt gestern leider offiziell wieder absagen mussten, weil Nicholas mit seinem Drüsenfieber immer noch arg zu kämpfen hat. Und das Zehnjährige ist halt nochmal eine ganz andere Kiste als Festivalshows zu spielen. 

Aber es gibt wieder Jahresabschlusskonzerte – Konzerte dieses Jahr: Also nicht nur eins, sondern vier Stück, in denen wir alle vier alten Alben am Stück durchspielen. Jeden Abend ein Album mit noch ein paar Überraschungssongs hinten dran. Da haben wir uns überlegt an jedem Abend die Band, die wir damals als Vorband mit auf Tour hatten, nochmal einzuladen. 

Die Idee beim Jupitair und bei den Jahresabschlusskonzerten ist immer noch Bands einzuladen, von denen wir denken, sie verdienen es auch mal nicht nur vor 50 Leuten zu spielen, sondern einfach mal ein größeres Publikum zu bekommen. 

 

Ihr seid ja mittlerweile in den Charts ganz weit oben mit dabei. Wie habt ihr euren Erfolg selbst wahrgenommen? 

Das war am Anfang ein ziemlich komisches Gefühl. Ich meine, mit „Still“ ist es ja letztenendes durch die Decke gegangen. Es war schon bisschen komisch sich auf einmal in Chartregionen wieder zu finden, die man vorher immer nur von unten angeguckt hat. (lacht) Wir haben uns tierisch drüber gefreut, aber es ist jetzt nicht so, dass sich dadurch für uns auf persönlicher Eben irgendwas verändert hätte. Also wir freuen uns drüber, aber wir lassen uns davon nicht beeinflussen. 
Still“ wurde im April letzten Jahres zum meistgespielten Song im Radio. Was geht dir durch den Kopf, wenn du eure Songs im Radio hörst? 

„Still“ war tatsächlich das ganze Jahr 2011 der meistgespielte Song im Radio. Da ich selbst gar kein Radiohörer bin, hat es mich Gott sei dank nicht…doch, es hat mich einmal erwischt, als ich bei einem Kumpel war und auf einmal lief’s dann im Radio! Es war irgendwie ganz komisch, den eigenen Song dann im Radio zu hören. Aber da ich halt selbst eigentlich kein Radio höre, hat’s mich dann nicht so oft erwischt. (lacht) Wir wurden auch ganz oft darauf angesprochen: Hey, ich hab euch wieder im Radio gehört! – Ah, okeee… Jetzt ist es tatsächlich schon ein bisschen Normalität, dass die Leute sagen: Ach ja, ihr lauft ja noch im Radio. – Jaja…kann sein… (lacht)
Bakkushan waren mal mit euch auf Tour, auf ihrem neuen Album ist Nicholas als Gastsänger beim Song „Solang du schimmerst“ dabei. Wie kam es jetzt zu dieser Zusammenarbeit? 

Oh, da kann ich dir leider keine genauen Infos zu geben. Das ist Nicholas‘ Geheimnis, wie er sich dazu herablassen konnte bei Bakkushan aufm Album mitzusingen… (lacht)

 

Euer viertes Album „Jupiter Jones“ ist das erste, das ihr nicht bei eurem bandeigenen Label aufgenommen habt. Es heißt, ihr hättet euch nie zuvor so viel Zeit für ein Album gelassen und hättet nie so ausgereift geklungen. Wie beurteilt ihr das selbst? 

Ein Stück weit stimmt das schon. Aber außer dass wir jetzt einfach mehr Studiozeit zur Verfügung hatten, hat sich eigentlich gar nicht so viel geändert – also von unserer Arbeitsweise. Es war ja so, als wir angefangen haben im Studio aufzunehmen, war noch gar nicht so klar, ob das jetzt tatsächlich mit Sony Music funktioniert. Das hat sich erst im Laufe der Studiozeit heraus kristallisiert. Wir haben halt eine Vorproduktion gemacht, damit sind wir zu Sony gegangen und dann wurde der Kontakt halt intensiver. Aber Sony hat das Album erst gehört, als es fertig war. Also als wir um Studio fertig waren, kam einer von Sony vorbei und hat sich das Album angehört. Von daher hat uns das eigentlich gar nicht beeinflusst. 

 

Angenommen ein alter Fan, der euch seit dem ersten Album kennt, käme zu euch und würde sagen, euer neues Album sei in irgendeiner Form Mainstream oder inhaltlich flacher. Was würdet ihr ihm antworten? 

Ähm, es ist weder Mainstream noch inhaltlich flacher! (lacht) Wir kriegen durchaus auch schonmal Feedback von Leuten, die sagen: Früher wart ihr geiler oder habt ihr mir einfach besser gefallen. Und das ist in Ordnung! Es klingt halt anders als Raum um Raum, das ist ja ganz klar: Wir sind älter geworden, wir sind reifer geworden. Ich glaube, selbst wenn wir wollten, könnten wir kein Album wie Raum um Raum aufnehmen, weil das damals aus ganz anderen Umständen entstanden ist. Aber das hat nichts mit Mainstream oder inhaltlich flacher zu tun. Und wenn sich Leute irgendwie dran stören die Band, die sie damals entdeckt haben, auf einmal mit anderen Leuten teilen zu müssen…und deswegen irgendwie denken das wäre Mainstream, wir hätten uns verkauft oder sowas…ja, dann haben sie irgendwas im Leben nicht verstanden. Also ich würde niemals eine Band, die ich mag, verachten oder nicht gut finden, nur weil sie auf einmal mehr Alben verkauft oder so. Aber es hat trotzdem jeder das Recht einfach zu sagen: Ich kann mit dem neuen Album nichts anfangen, das gefällt mir einfach nicht. Das ist in Ordnung! Das ist halt einfach so, aber das gab’s auch schon bei den Alben vorher. Als das Tapeten-Album rauskam wurden Stimmen laut: Oh, das ist aber nicht mehr so geil wie Raum um Raum. Ist also völlig legitim. 

 

Also würdest du sagen, ihr seid eurem Stil treu geblieben? 

Wir sind uns insofern einfach treu geblieben, dass wir uns nicht von außen beeinflussen lassen. Wir machen immer zu dem jeweiligen Album exakt das, was aus uns rauskommt – ohne Masterplan und ohne uns selbst irgendwelche Vorgaben zu machen. Man hört auch, dass jedes Album tatsächlich unterschiedlich ist. Man hört zwar sofort, dass es Jupiter Jones ist, aber jedes Album steht eigentlich komplett für sich. Darauf sind wir auch stolz – dieser Grat aus Wiedererkennungswert und sich trotzdem innerhalb dieses Wiedererkennungswertes weiter zu entwickeln. Das ist uns glaube ich ganz gut geglückt. 
Nicholas hat ja noch ein Nebenprojekt unter dem Namen „Heisterkamp“. In einem Interview für „Burn Your Ears“ hat er mal gesagt: „Vieles, was bei Heisterkamp geht, würde bei Jupiter Jones nicht funktionieren. Die entspannte Atmosphäre und die Entscheidung, manche Dinge einfach mal so zu belassen, wie sie sind…auch wenn sie nicht ganz perfekt sind, dafür aber einfach Charme versprühen.“ Denkst du, dass Nicholas mit Heisterkamp bewusst irgendwas auslebt, was bei Jupiter Jones aufgrund des Erfolges nicht mehr geht? 

Also ich mag Heisterkamp total! Ich höre die CD selbst sehr oft zu Hause. Und es ist definitiv eine andere Baustelle als Jupiter Jones. Ich glaube für Nicholas ist das sehr wichtig, dass er noch so ein zusätzliches Ventil hat, wo er halt eben Heisterkamp-typische Sachen, also so ganz klassische Singer/Songwriter-Sachen, ausleben kann. Wir haben immer unsere ein, zwei Singer/Songwriter-Lieder auf den Alben, weil das einfach ein Teil von Jupiter Jones ist. Aber Heisterkamp ist eine andere Baustelle. Und ich glaube, wenn einer irgendwie ein Bedürfnis hat sich noch anders auszudrücken, dann muss er das, damit er einfach seinen Frieden in der Haupt-Band behält. Wenn man es nicht machen würde, staut sich vielleicht was auf und irgendwann denkt man: Ey, ich hab jetzt echt keinen Bock mehr. Ich will was Anderes machen! 

Jupiter Jones ist aber Hauptthema und jeder kann nebenbei machen, was er will. 

© NayaCliché
© NayaCliché


Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.